Die Art, wie Menschen suchen, verändert sich gerade spürbar. Statt einen Suchbegriff bei Google einzutippen und sich durch zehn Links zu klicken, stellen immer mehr Leute ihre Frage im Chat und bekommen eine fertige Antwort. „Wer montiert mir in Graz eine Wärmepumpe?“ oder „Welche Buchhaltungssoftware passt zu einem Fünf-Personen-Betrieb?“ Solche Fragen landen längst nicht mehr nur in der Suchmaschine.
Genau dort setzt der neue Kanal an. Seit Ende August läuft Werbung in ChatGPT auch in Österreich und seit dem 31. August können Unternehmen von hier aus selbst Kampagnen anlegen. Damit lässt sich zum ersten Mal gezielt dort auftauchen, wo dieses neue Suchverhalten passiert. Wir haben uns angesehen, wie die Anzeigen aussehen, was der Ads Manager gerade kann und wo er noch Lücken hat.
Was ChatGPT Ads eigentlich sind
ChatGPT Ads sind Werbeanzeigen, die OpenAI direkt in den Antworten des Chatbots ausspielt. Statt wie bei Google Ads auf eine Suchergebnisseite zu setzen, platziert OpenAI die Anzeige unterhalb der Antwort, optisch abgesetzt und klar als „gesponsert“ gekennzeichnet. Unternehmen buchen die Kampagnen über den Ads Manager, ähnlich wie bei Google oder Meta, nur dass die Anzeige nicht auf ein Keyword, sondern auf den Gesprächskontext reagiert.
Das ist der spannende Unterschied. Die Anzeige richtet sich danach, worüber gerade gesprochen wird. Wer ein konkretes Problem schildert, bekommt das passende Angebot gleich neben der Antwort eingeblendet. Viel näher an der Entscheidung kann Werbung kaum sitzen.
Für Betriebe in Österreich heißt das: Seit Ende August ist dieser Kanal auch von hier aus buchbar. Er funktioniert technisch anders als Google Ads oder Meta Werbung, dient aber demselben Ziel, nämlich zur richtigen Zeit vor der passenden Zielgruppe sichtbar zu sein.
Wo die Anzeigen erscheinen und wer sie überhaupt sieht
Die Anzeigen stehen unterhalb der Antwort und sind optisch klar davon getrennt. Mitten in den Antworttext schiebt sich aktuell keine Werbung.

Die Vorschau im Ads Manager zeigt den Aufbau einer Anzeige: Bild, Titel und ein Satz Beschreibung, klar als Anzeige gekennzeichnet.
Wichtiger ist die Frage, wer sie sieht. Anzeigen bekommen nur jene Menschen zu Gesicht, die ChatGPT kostenlos oder im günstigen Einstiegstarif nutzen. Wer eines der teureren Abos zahlt, bleibt werbefrei. Ebenso Nutzer:innen, bei denen OpenAI davon ausgeht, dass sie unter 18 Jahre alt sind.
Das klingt nach Einschränkung, ist aber gute Nachricht: Der größte Teil der Menschen nutzt ChatGPT in der kostenlosen Variante. Nur wenn deine Kundschaft fast ausschließlich aus zahlenden Power Usern besteht, erreichst du sie über diesen Kanal derzeit nicht.
Beim Datenschutz trennt OpenAI klar zwischen der Auswahl einer Anzeige und den Informationen, die Werbetreibende erhalten. Unternehmen bekommen keinen Einblick in Chats, Erinnerungen oder personenbezogene Informationen der Nutzer:innen. Sie sehen lediglich aggregierte Leistungsdaten wie Impressionen und Klicks.
Für die Auswahl einer passenden Anzeige kann ChatGPT allerdings den Kontext des aktuellen Gesprächs sowie allgemeine Informationen wie Sprache oder ungefähren Standort berücksichtigen. Außerhalb Europas können bei aktivierter Anzeigenpersonalisierung zusätzlich Signale aus früheren Chats und Erinnerungen einfließen. Im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz ist diese Form der personalisierten Werbung zum Start noch eingeschränkt beziehungsweise nicht verfügbar.
Ein Blick in den Ads Manager
Eine Kampagne ist in wenigen Minuten angelegt. Der Aufbau erinnert an Google oder Meta, ist aber deutlich schlanker. Auf Kampagnenebene wählst du Ziel und Standorte, viel mehr Einstellungen gibt es dort im Moment nicht.

Kampagnenebene: Ziel, eingeschlossene und ausgeschlossene Standorte. Der Hinweis unten nennt die aktuelle Einschränkung für den EWR und die Schweiz.
Eine Ebene tiefer, in der Anzeigengruppe, sitzt der eigentliche Unterschied zu Google Ads. Statt Keywords hinterlegst du Kontexthinweise, also Sätze, die beschreiben, worüber jemand gerade spricht, wenn deine Anzeige passen soll. OpenAI nennt das ausdrücklich keine Targeting-Regel für exakte Übereinstimmungen, sondern eine Hilfestellung bei der Zuordnung. Wie stark diese Hinweise wirken, lässt sich vorab nicht abschätzen. Bei der Gebotsstrategie steht aktuell nur „Ergebnisse maximieren“ zur Auswahl.

Anzeigengruppe mit Kontexthinweisen. Hier beschreibst du in eigenen Worten, in welchen Gesprächen dein Angebot relevant ist.
Die Anzeige selbst besteht aus Bild oder Logo, einem Titel mit bis zu 50 Zeichen und einer Beschreibung mit bis zu 100 Zeichen. Dazu kommen Ziel-URL und optionale Parameter für die Landingpage, damit sich die Klicks später sauber im Analytics-Tool zuordnen lassen. Die Vorschau rechts aktualisiert sich beim Tippen mit.

Anzeigenebene: Ziel-URL, Titel und Beschreibung links, die fertige Anzeige rechts in der Vorschau.
Vor dem Veröffentlichen fasst eine Übersicht alle Einstellungen zusammen. Pro Anzeigengruppe lassen sich mehrere Varianten anlegen und direkt gegeneinander testen, was für einen ersten Durchlauf sinnvoll ist.

Die Übersicht vor dem Start mit zwei Anzeigenvarianten in derselben Anzeigengruppe.
Die Lücken sind an derselben Stelle sichtbar. Benutzerdefinierte Zielgruppen sind für Kampagnen im EWR und in der Schweiz derzeit nicht verfügbar, die Steuerung läuft also über Standort und Kontexthinweise. Feineres Targeting oder ein tiefes Reporting wie in Google Ads solltest du zum Start nicht erwarten.
Was das für Klein und Mittelbetriebe heißt
ChatGPT Ads ersetzen im Moment keinen funktionierenden Google Ads Account. Sie sind ein zusätzlicher Kanal, der sich aktuell vor allem für Angebote eignet, die schnell verständlich sind und bei denen zwischen Interesse und Entscheidung kein monatelanger Prozess liegt.
Wer einsteigt, sollte mit einem überschaubaren Testbudget starten und von Anfang an festlegen, welche Zahlen tatsächlich über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Bestehendes Budget aus Google oder Meta muss dafür niemand umschichten. ChatGPT Ads funktionieren gut als eigenes kleines Experiment neben dem, was ohnehin läuft.
Der Reiz liegt im Zeitpunkt. Der Kanal ist neu, der Mitbewerb hält sich noch zurück, und wer jetzt Erfahrung sammelt, weiß früher als andere, was in seiner Branche funktioniert.
Interessanter als die Anzeigen selbst finden wir allerdings eine andere Entwicklung: Immer mehr Menschen recherchieren in KI Chats statt ausschließlich über klassische Suchmaschinen.
Ob dein Unternehmen dort überhaupt vorkommt, entscheidet sich nicht über bezahlte Anzeigen. Entscheidend ist, welche Informationen über dein Unternehmen online verfügbar sind, wie verständlich deine Inhalte aufgebaut sind und ob Suchmaschinen und KI Systeme dein Angebot richtig einordnen können.
Genau deshalb werden SEO und GEO parallel zur bezahlten Werbung immer relevanter.
Wir beobachten beide Entwicklungen weiter und melden uns, sobald sich aus echten Kampagnen belastbare Zahlen und Benchmarks für Österreich ableiten lassen. Du willst vorher wissen, ob sich ein Test für dein Unternehmen auszahlt? Melde dich bei uns. Wir schauen uns dein Angebot an und sagen dir ehrlich, ob ChatGPT Ads dazu passen und wie ein sinnvoller erster Test aussehen könnte.




